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Anleitung · Grundlagen

Pizza selber machen: die komplette Zubereitung

Von der Mehlwahl bis zum letzten Grillstoß. Diese Anleitung führt dich durch jeden Arbeitsschritt, erklärt die Physik dahinter – und zeigt am Ende, warum Pizza direkt nach Hause aus der Kette technisch etwas völlig anderes ist als der Teigling in deinem Kühlschrank.

Zeitbedarf

30 Min. Arbeit, 24–48 Std. Reifung

Ergebnis

4 Teiglinge à 250 g, Ø ca. 30 cm

Ausrüstung

Waage, Schüssel, Pizzastahl oder -stein

Das Grundrezept (Direktführung, 65 % Hydration)

ZutatMengeAnteil (Bäckerprozent)
Weizenmehl Tipo 00 oder Type 550600 g100 %
Wasser, kühl (ca. 16 °C)390 g65 %
Salz17 g2,8 %
Frischhefe0,8 g0,13 %
Olivenöl (optional, für römische Art)12 g2 %

Bäckerprozent heißt: Alle Zutaten werden ins Verhältnis zur Mehlmenge gesetzt. So lässt sich jedes Rezept auf jede Teigmenge umrechnen, ohne neu zu rechnen.

Schritt für Schritt

Die sieben Arbeitsschritte

Autolyse ansetzen

Mehl und rund 90 % des Wassers grob verrühren, bis kein trockenes Mehl mehr sichtbar ist. Abdecken und 30 bis 45 Minuten stehen lassen. In dieser Zeit quellen die Eiweiße auf und das Klebergerüst bildet sich fast ohne Kneten.

Salz und Hefe kommen bewusst noch nicht dazu – Salz bremst die Wasseraufnahme.

Hefe und Salz einarbeiten

Hefe im Restwasser auflösen und einkneten, danach das Salz. Nun 8 bis 10 Minuten kneten, bis der Teig glatt wird und sich von der Schüsselwand löst. Die Teigtemperatur sollte am Ende zwischen 22 und 24 Grad liegen.

Fenstertest: Ein Stück Teig lässt sich dünn auseinanderziehen, ohne zu reißen.

Stockgare – kalt und lang

Den Teig eine Stunde bei Raumtemperatur anspringen lassen, dann für 24 bis 48 Stunden in den Kühlschrank bei 4 bis 6 Grad. Diese kalte Reifung ist der wichtigste Aromaschritt überhaupt und macht den Teig deutlich bekömmlicher.

Teiglinge abstechen und rundwirken

Portionen zu je 250 Gramm abstechen und straff zu Kugeln formen. Der Schluss liegt unten, die Oberfläche soll unter Spannung stehen. In eine geschlossene Box setzen, damit keine Haut entsteht.

250 g ergeben ca. 30 cm Durchmesser. Für römische Bleche eher 500–700 g pro Blech.

Stückgare bei Raumtemperatur

Die Teiglinge 4 bis 6 Stunden bei etwa 20 Grad akklimatisieren lassen. Sie sollen sichtbar aufgehen und beim Antippen langsam zurückfedern. Ein kalter Teigling lässt sich nicht sauber öffnen.

Öffnen statt ausrollen

Den Teigling in Hartweizengrieß legen und mit den Fingerspitzen von der Mitte nach außen drücken. Die äußeren zwei Zentimeter bleiben unberührt – dort entsteht später der Cornicione, der luftige Rand. Ein Nudelholz drückt genau diese Gasblasen heraus.

Niemals den Rand ausrollen. Genau dort sitzt die Luft, die den Rand aufgehen lässt.

Belegen und backen

Sparsam belegen: eine Kelle passierte Tomaten, Mozzarella gut abgetropft, Basilikum erst nach dem Backen. Pizzastahl auf der zweitobersten Schiene 45 Minuten bei Maximaltemperatur vorheizen, Pizza einschießen, 6 bis 8 Minuten backen und die letzten 90 Sekunden auf Grillfunktion umschalten.

Im Pizzaofen bei 430–480 °C dauert es 60 bis 90 Sekunden – dann aber ständig drehen.

Fehlerbilder

Fünf Probleme und ihre Ursache

SymptomWahrscheinliche UrsacheLösung
Boden bleibt blass und weichZu wenig gespeicherte UnterhitzeStahl/Stein länger vorheizen, höher einschieben
Rand geht nicht aufRand ausgerollt oder Teig zu kaltRand freilassen, Stückgare verlängern
Teig reißt beim ÖffnenZu wenig Reifezeit, zu straff gewirktNach dem Wirken länger entspannen lassen
Pizza schmeckt nach HefeZu viel Hefe, zu warme FührungHefemenge halbieren, kalt führen
Mitte wird wässrigNasser Mozzarella, zu viel SauceMozzarella 30 Min. abtropfen, sparsam saucen

Stilkunde

Vier Pizzastile im Vergleich

Napoletana

Hoher Rand, weicher Boden, 60–90 Sekunden bei 430–480 °C. Tipo 00, 60–65 % Hydration, kein Öl. Der Klassiker – und der anspruchsvollste Stil für den Haushaltsbackofen.

Romana / Pizza in teglia

Dünn und knusprig oder als luftiges Blech mit 75–85 % Hydration. Olivenöl im Teig, längere Backzeit bei etwas niedrigerer Temperatur. Sehr gut im normalen Ofen umsetzbar.

New York Style

Große, faltbare Stücke, etwas Öl und Zucker im Teig, 250–290 °C für 8–12 Minuten. Der Stil, der zwischen Napoletana und Blechpizza vermittelt.

Detroit Style

Rechteckig, im geölten Stahlblech gebacken, Käse bis an den Rand für die karamellisierte Kruste. Verzeiht viel und ist ideal für den ersten Versuch mit hoher Hydration.

Blick über den Tellerrand

Was Schweizer Pizzaketten anders machen

Wer in der Schweiz Pizza bestellen & genießen möchte, landet fast zwangsläufig bei einer der großen Kurierketten. dieci gehört zu den bekanntesten Namen im Land und betreibt Filialen quer durch die Deutschschweiz; daneben stehen Restaurantketten wie Molino mit klassischen Holz- und Steinöfen sowie internationale Anbieter wie Domino’s.

Der entscheidende Unterschied zu deiner Küche ist nicht das Rezept, sondern die Prozesskontrolle. Ketten arbeiten mit vorportionierten Teiglingen aus zentraler Produktion, mit exakt getakteten Durchlauföfen und mit einem Belag, der auf Transportfähigkeit optimiert ist. Das erzeugt hohe Gleichmäßigkeit – aber es kostet genau die Eigenschaften, die eine frisch gebackene Pizza ausmachen: der Rand verliert nach fünf Minuten in der Warmhaltetasche seine Spannung, und der Boden zieht Feuchtigkeit aus dem Belag.

Dein Heimvorteil: Du kannst so lange reifen lassen, wie du willst, und servierst innerhalb von zehn Sekunden nach dem Ofen. Genau das kann keine Lieferkette der Welt.

Eine ausführlichere Übersicht der Anbieter – wer wo aktiv ist, welche Ofentechnik zum Einsatz kommt und worauf es beim Vergleich ankommt – findest du auf unserer Seite zu den Schweizer Lieferketten.

Häufige Fragen zum Pizzateig

Teig-FAQ

Welches Mehl brauche ich für Pizzateig?

Für neapolitanische Pizza eignet sich Tipo 00 mit einem W-Wert von 260 bis 320. In Deutschland und der Schweiz funktioniert auch Weizenmehl Type 550 sehr gut. Wichtiger als die Marke ist, dass das Mehl zur geplanten Gehzeit passt: je länger die Reifung, desto stärker sollte das Mehl sein.

Wie lange muss Pizzateig gehen?

Als Faustregel: 24 Stunden kalte Stockgare bei 4 bis 6 Grad plus 4 bis 6 Stunden Stückgare bei Raumtemperatur. Kürzer geht auch, dann fehlt aber Aroma. Wer 48 bis 72 Stunden Zeit hat, bekommt eine deutlich bekömmlichere Krume.

Warum wird meine Pizza im Backofen nicht knusprig?

Meist fehlt die Unterhitze von unten. Ein Pizzastahl oder Pizzastein muss mindestens 45 Minuten bei maximaler Temperatur vorheizen. Außerdem sollte der Belag sparsam und nicht zu nass sein, sonst dampft der Boden weich.

Wie viel Hefe kommt in den Teig?

Bei langer kalter Führung reichen 0,3 bis 1 Gramm Frischhefe auf 500 Gramm Mehl. Je wärmer und kürzer die Gare, desto mehr Hefe wird gebraucht. Zu viel Hefe erzeugt den typischen Hefegeschmack, den man von schlechter Tiefkühlpizza kennt.

Was ist der Unterschied zwischen Poolish und Biga?

Beides sind Vorteige. Poolish ist flüssig, meist mit gleichen Teilen Mehl und Wasser, und bringt Milde und Dehnbarkeit. Biga ist fester und säuerlicher und sorgt für eine kräftigere, aromatischere Krume. Beide verlängern die Frischhaltung des Teigs.

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Wenn du tiefer einsteigen willst – Poolish, Biga, Sauerteig oder einfach mehr Rezepte.

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